Formen von Essstörungen - Klinik Lüneburger Heide
Impressum  |   Kontakt  |   Sitemap
Klinik Lüneburger Heide
Logo Druck - Klinik Lüneburger Heide

Folgen und Komplikationen von Essstörungen

 

Essstörungen sind seelische Krankheiten, die zu sekundären medizinischen und psychischen Folgen / Komplikationen führen.

 

Die Anpassung an die Mangel- und Unterernährung führt bei Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und beim experimentellen Fasten zu sehr ähnlichen Veränderungen. Die Unterschiede sind mehr quantitativer als qualitativer Art und hängen von der Art, dem Ausmaß und der Dauer selbstzerstörerischer Verhaltensweisen ab.

 

Eine Mangel- und Unterernährung wird mit Übergang in den Zustand des Verhungernsm zu einer zunehmenden Hormon- und Stoffwechselkrankheit mit Auswirkungen auf nahezu alle Organsysteme:
Akute Schäden betreffen dabei vor allem das Herz, am häufigsten in Form von Rhythmusstörungen. Besonders gefährlich ist die Kombination: Hungern, Kaliummangel, körperliche Aktivität. Außerdem kann, bevorzugt vor dem rechten Herzen, ein Perikarderguss (Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel) auftreten, der eine Bewegungsreduktion nach sich zieht. Chronische Schäden betreffen bevorzugt Knochen, Niere und Zähne (letztere bei den bulimischen Patienten). Auch das Körperlängenwachstum kann verzögert sein. Zunehmend werden als chronische Folgen des Hungerzustandes auch überdauernde Probleme um spätere Schwangerschaften und Geburten berichtet.

 

Eine Mangel- und Unterernährung hat auch psychische Folgen: die typische, vermehrte gedankliche Beschäftigung mit Nahrung und die gesteigerte motorische Aktivität, der Bewegungsdrang Magersüchtiger. Beides wird in letzter Zeit nicht nur als unsinnige oder absichtlich den Energieverbrauch steigernde Reaktion der Betroffenen angesehen, sondern auch als entwicklungsgeschichtlich erklärbar, da durch beide Verhaltensweisen die Wahrscheinlichkeit des Auffindens von Nahrung erhöht werden kann und es in Vorzeiten Sinn gemacht hat, sich im Zustand des Hungerns vermehrt bis ausschließlich mit der Nahrung zu beschäftigen und sich aktiv darum zu bemühen, diese zu finden.

 

Der Bewegungsdrang Magersüchtiger kann aber auch Schuldthematiken beinhalten, mit der Überzeugung, sich Essen erst über Bewegung verdienen zu müssen. In Bewegung zu sein kann auch dazu eingesetzt werden, Gefühle von Unruhe abzumildern: inneren Druck, das Gefühl, sich selbst nicht aushalten können oder ein verzehrendes sich Getriebenfühlen in Ruhesituationen.

 

Der Hungerzustand kann als weitere Folgen eine ungewöhnliche Nahrungsauswahl, einen (vermehrten) Substanzgebrauch (Alkohol, Drogen, Nikotin, Kaffee), zwanghafte Verhaltensweisen, ritualisiertes Essen, erhöhte Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen nach sich ziehen, weshalb wir vom Schulbesuch oder einer Berufstätigkeit im anorektischen Gewichtszustand abraten. Eine Mangelernährung scheint über psychobiologische Mechanismen auch die Wahrscheinlichkeit impulsiven Verhaltens (Aggressionsschübe mit gewalttätigen Durchbrüchen, Selbstverletzungen) erhöhen zu können.

 

Aber medizinische Folgen und Komplikationen sind nur Begleitsymptome und nicht das verursachende Problem. Komplikationen erfordern, zum Teil schon aus lebenserhaltenden Gründen, die medizinisch angemessene Behandlung. Aber jede Behandlung nur der medizinischen Seite bleibt einseitig und nicht nachhaltig, wenn sie nicht auch an den Ursachen der Störung angreift. Aufgrund der Natur der Erkrankung brauchen auch schwerst Erkrankte von Anfang an eine spezifische Behandlung, die der zugrunde liegenden seelischen Störung gerecht wird.

 

Medizinische Komplikationen, wie schwerwiegend auch immer, sind ein Epiphänomen, ein Begleitsymptom und nicht das eigentliche verursachende Problem.

Klinik Lüneburger Heide