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Essstörungen

 

Essstörungen sind häufig auftretende seelische Erkrankungen. Sie stehen bei Mädchen und Frauen an vierter Stelle der Gründe für krankheitsbedingte Einschränkungen des altersentsprechenden Lebens und damit einen Verlust an Entwicklungsjahren. Und sie haben so einen hohen Stellenwert unter den psychosomatischen Krankheiten. Sie treten zum einen bevorzugt im jugendlichen oder jungen Erwachsenenalter auf und neigen zum anderen zur Chronifizierung.

 

Essstörungen sind psychosomatische Erkrankungen. Sie sind Krankheiten psychischen Ursprungs mit zum Teil erheblichen körperlichen und auch seelischen Folgen. Wir zählen sie nicht zu den Suchterkrankungen im engeren Sinne, obwohl von den Betroffenen suchtartige Verhaltensweisen beschrieben werden.

 

Essstörungen sind nicht nur ein Schlankheitstick, eine Pubertäts- oder Lebenskrise - sie haben mit einer gestörten Persönlichkeitsentwicklung zu tun, die in Situationen mit auch nur subjektiv überfordernden Lebensanforderungen mit dem zentralen Gefühl 'nicht zu genügen' offenkundig wird. Die gelebte Essstörungssymptomatik zeigt das Ausmaß der inneren Not der Betroffenen und weist auf die eigene Unfähigkeit hin, mit dem Leben und seinen altersentsprechenden Anforderungen und den dabei auftretenden inneren Konflikten fertig zu werden.

 

»Ein alles durchdringendes Gefühl eigener Unzulänglichkeit«

 

So hat Hilde Bruch, eine Pionierin in der Essstörungstherapie das bezeichnet, was alle von einer Essstörung Betroffenen gemeinsam in sich haben; sie halten typischerweise nicht viel von sich selbst und erwarten sich Besserung im Verändern des Körpers hin zu einem niedrigeren Gewicht. »Schmal sein und die Knochen treten hervor, bedeutet inneres Schwachsein zu zeigen und gleichzeitig Stärke beweisen«, so hat es eine Patientin mit einer Magersucht vortrefflich beschrieben.

 

Patienten mit einer Bulimie wollen ein Gewicht im unteren Norm- oder Untergewichtsbereich. Die sich selbst auferlegten Gewichtsgrenzen sind kleinlich, wobei die seelische Befindlichkeit davon abhängig ist und diesem Diktat unterliegt. Sie erbrechen nach Essanfällen, die durch Diäten und Auslassen von Mahlzeiten ausgelöst werden. Sie erbrechen aber auch nach normalen oder kleinen Mahlzeiten, um dem (prinzipiell gegebenen und für sie immer drohenden) dick machenden Effekt von Nahrung entgegenzuwirken und Trost und Erleichterung im Sinne von Spannungsabbau zu erfahren - denn gesündere, reifere Alternativen fehlen. Denjenigen, die von einer Anorexie betroffen sind, ist ihr Gewicht nie niedrig genug, was das Lebensbedrohliche dieser Erkrankung ausmacht, da sich diese Einstellung nicht ändert, sondern sogar noch verstärken kann, auch wenn das Gewicht immer weiter sogar bis in lebensbedrohlich niedrige Bereiche reduziert wird.

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