Formen von Essstörungen - Klinik Lüneburger Heide
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Behandlungsformen

 

Da Essstörungen Erkrankungen mit hohem Krankheitswert sowohl seelischer als auch körperlicher Art sein können, mit einem hohen Anteil an Komorbidität (Begleiterkrankungen) und einer hohen Chronifizierungsneigung, sind zu ihrer effektiven, durchgreifenden Behandlung von Anfang an spezifische Therapieangebote notwendig.

 

Die Basis oder der Therapiestart ist meist die ambulante psychotherapeutische Behandlung einmal wöchentlich bei einem Therapeuten, der mit Essstörungen Erfahrung haben sollte. Im Idealfall arbeitet er mit einer Diätassistentin oder einer Ökotrophologin in Ernährungsfragen zusammen, ebenso wie mit einem Allgemeinmediziner oder Internisten zur Erfassung medizinischer Probleme.

 

Abhängig von der Niedrigkeit des Körpergewichts oder dem Ausmaß einer bulimischen Symptomatik, kann ein stationärer Aufenthalt in der Anfangsphase ein erfolgreicher und effektiver - da durchgreifender - Therapiestart sein, weil er die Bertoffenen aus dem typischerweise hochbelasteten häuslichen Milieu löst. Am besten funktioniert dieser Therapiestart, wenn er in einem essstörungsspezifisch arbeitenden Setting unter Miteinbezug der wesentlichen Familienangehörigen erfolgt. Die Klinik Lüneburger Heide bietet dazu das medizinische viergleisige Therapieprogramm.

 

Kurze stationäre Intervallaufenthalte, die Refresherwochen, helfen dabei, den stationären Therapieerfolg zu sichern und beugen schwereren Rückfällen vor. Essstörungen treten bevorzugt im Jugendalter und jungen Erwachsenenalter auf. In dieser Zeit sind die Anforderungen hinsichtlich Lebensorientierungs- und -gestaltungswünschen besonders hoch und damit auch die Anfälligkeit der Betroffenen für Rückfälle. Die Essstörung vermittelt pathologischen Halt, wenn gesünderer Halt und Lebenssicherheit noch zu wenig selbst erlebt werden oder im Umfeld gegeben sind.

 

Essstörungsspezifisch arbeitende betreute Wohneinrichtungen (Amidon Uelzen) können für schwere, chronifizierte und hoch rückfallgefährdete Essstörungserkrankte ein wichtiges Bindeglied darstellen zwischen stationärem Aufenthalt und ambulanten Therapieangeboten, bei denen die Betreuungsintensität nicht ausreicht. Die Rückfallgefährdung lässt sich damit effektiv reduzieren. Der Schritt danach kann dann wieder die Rückkehr nach Hause oder in eine altersangemessene andere Lebensform sein.

 

Stationäre Therapiephasen erscheinen angezeigt

 

  • wenn sich die krankhafte Esskontrollsymptomatik nur so unterbrechen lässt, bzw. eine Essstörung von Krankheitswert vorliegt, die mit ambulanten, auch mehrgleisig eingesetzten Therapiemaßnahmen, nicht positiv zu beeinflussen ist
  • zur Beeinflussung schwerer medizinischer Folgen und Komplikationen
  • wenn die Essstörung eine Begleiterkrankung überdeckt, die eine Symptomverschiebung auslöst, sobald das essgestörte Verhalten aufgegeben wird. Zum Beispiel: Selbstverletzungen, Depressionen bis hin zur (zumeist latenten) Suizidalität, Zwänge oder Substanzmissbrauch, ADHS
  • wenn Hungern und bulimisches Verhalten bei dem Versuch, jeweils darauf zu verzichten, sich gegenseitig abwechseln
  • wenn das Lösen aus dem häuslichen Umfeld bei ungünstigen familiären und Umfeldfaktoren erforderlich ist, um die schwere Verstrickung in eine Essstörung zu unterbrechen
  • generell, um durch eine Unterbrechung das hohe Chronifizierungsrisiko zu senken und im stationären Aufenthalt als Dreh- und Angelpunkt einen Langzeittherapieplan ausarbeiten zu können - besonders bei Betroffenen mit geringer Veränderungsmotivation.

 

 

Miteinbezug der Familien

 

Im Rahmen familien- oder paartherapeutischer Sitzungen beziehen wir die wesentlichen Angehörigen in den Therapieprozess mit ein. Eine videounterstützte Nachbearbeitung zur gemeinsamen Analyse ungünstiger und vor allem krankheitsaufrechterhaltender Verhaltensmuster ergänzt den Therapieprozess und erfolgt auch zusammen mit den Angehörigen.

 

Intensiviert wird der Prozess in einem ganz speziellen essstörungsspezifischen Therapieangebot der Klinik Lüneburger Heide, den ElternIntensivworkshops. In ihrem Rahmen bieten wir mehrmals jährlich für eine Woche die stationäre Mitaufnahme von Eltern Essgestörter an. Das Angebot beinhaltet deren Miteinbezug in den Therapieprozess der Kinder neben einer Therapieeinheit nur für die Eltern.

 

 

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